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Fragen und Antworten

Die folgenden Informationen wurden nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert und mit Quellen unterlegt, sind jedoch alle ohne Gewähr. Sollte uns dennoch ein Fehler unterlaufen sein, bitten wir um eine kurze Mitteilung per Facebook.

1. Was verursacht die Geruchsbelästigung?

Nach Aussagen des Kreises Heinsberg wird der Geruch durch Styrol verursacht.

2. Wer verursacht die Geruchsbelästigung?

Laut diversen Quellen wird die Firma Polythex aus Übach-Palenberg in der Friedrich-Ebert-Straße 15 für die Verursachung der Gerüche verantwortlich gemacht.

Quellen:
Aachener Zeitung Beschwerden vieler Anwohner: Polythex-Werk modernisiert Filter
Aachener Zeitung Bürgerinitiative: Noch immer Geruchsentwicklung durch Polythex
WDR Studio Aachen Übach-Palenberg: Wieder Ärger um Polythex
WDR Studio Aachen Übach-Palenberg: Anwohner beschweren sich weiter über Gestank

3. Was stellt Polythex her?

ABS-Monoextrusion,Coextrusion mit ABS, ASA, PMMA,Polystyrol Mono- und Schichtextrusion,Polyolefin Blends

Quellen:
Webseite der Firma Polythex

4. Wodurch gelangt Styrol in die Atemluft?

Bei der Erhitzung und Extrusion von ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol) Kunststoff, werden teilweise die Monomere Acrylnitril, 1,3-Butadien und Styrol wieder aufgespalten. Eine Studie hat herausgefunden, dass Styrol die Hauptkomponente der Emission, verursacht durch die Extrusion von ABS, ist.

Quellen:
Contos et al., 1995

5. Ist Styrol gesundheitsschädlich?

Styrol wurde von der amerikanischen EPA (Environmental Protection Agency) in die Liste der gefährlichen Luftverunreinigungen aufgenommen.

„[..] Styrol reizt die Haut, Augen und Atemwege und kann zu Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Schwäche, Verwirrtheit und Bewusstlosigkeit führen. Störungen des zentralen und peripheren Nervensystems wurden beobachtet. [..] Styrol kann zu allgemeinen Vergiftungserscheinungen führen wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Schwäche, Verwirrtheit und Bewusstlosigkeit. [..]

Styrol-Konzentration Effekt/Wirkung
0,017-1.9 ppm Geruchsschwelle (mit rascher Gewöhnung)
50 ppm subjektive Beschwerden , wie Kopfschmerzen, Schwäche, Konzentrationsstörungen 100 ppm leichte Reizung von Augen und Rachen
400-500 ppm mässige, noch erträgliche Reizung
800 ppm unmittelbare Reizung von Augen und Rachen, verstärkte Nasensekretion, metallischer Geschmack, Schwindel und Schläfrigkeit
2,500 ppm lebensgefährlich, bei Exposition über 8 Stunden
10,000 ppm lebensgefährlich, bei Exposition über 20 – 30 Minuten
Zudem hat das Bundesinstitut für Risikobewertung im Rahmen einer experimentellen Forschung festgestellt, dass die für die Bildung des tumorbildenden Styroloxids nötigen Enzyme nicht, wie bislang angenommen, nur bei Mäusen sondern auch in der menschlichen Lunge vorhanden sind.
„[..] Diese Forschungsergebnisse sind ein wichtiger Baustein für die aktuelle Risikobewertung von Styrol. Das Vorkommen der beiden für die Umwandlung von Styrol zu Styroloxid verantwortlichen CYP-Enzyme in der menschlichen Lunge deutet darauf hin, dass auch beim Menschen eine tumorauslösende Wirkung möglich ist. [..]“

Die maximale Arbeitsplatz-Konzentration (MAK) für Styrol liegt heute bei 86mg/m3, wurden aber bereits im Lauf der Zeit deutlich gesenkt. Die WHO empfiehlt aus Vorsorgegründen einen Richtwert von 0,26 mg/m3 als Wochenmittel. Die Geruchsschwelle wird laut BASF mit 0.017 – 1.9 ppm, entsprechend 0.0731-8.17 mg/m3 (Umrechnungsfaktor 1ppm=4,3 mg/m3) Bei Wahrnehmung des Geruchs kann also der von der WHO empfohlenen Maximalwert bereits erreicht sein. Die Identifikationsschwelle, also der Wert, bei dem man den Geruch eindeutig erkennen und Styrol zuordnen kann, liegt allerdings drei- bis vierfach höher, so dass zwar der MAK Wert weiterhin unterschritten, der WHO Richtwert aber weit überschritten sein kann. Die unsichere Informationslage zu verbindlichen Richtwerten und der Gesundheitsschädlichkeit sollte eine Erfüllung des "Standes der Technik" umso notwendiger machen.

Quellen:
BASF
BEWERTUNG DER INNENRAUMLUFT FLÜCHTIGE ORGANISCHE VERBINDUNGEN – VOC
Bundesinstitut für Risikobewertung

6. Welche Verfahren gibt es, um Styrol aus der Atemluft zu filtern oder die Gerüche zu neutralisieren?

Styrol ist schwer wasserlöslich (240mg/L bei 20°C), jedoch gut löslich in Aceton, Methanol, Ethanol und Diethylether. Die Firma Lenntech bietet mit dem Produkt „Ecosorb 206“ einen Styrolabsorber an.

"Ecosorb 206 erhöht die Löslichkeit von Styrol, so dass die in der Luft befindlichen Styrolmoleküle in vernebeltes und verdünntes Ecosorb aufgelöst werden können.“
Quellen:
RÖMPP
Webseite der Firma Lenntech

7. Welche Filtersysteme setzt Polythex ein?

Nach einem Telefonat mit der Firma Biothys am 18.08 teile man uns mit, dass die Firma Polythex den "Smellmeister G180" einsetzen würde. Ob weitere Filtersystem zum Einsatz kommen ist uns nicht bekannt. Der Smellmeister G180 enthält bis zu 180 Gelactiv Platten, die eine Wirkungsdauer bei Einsatz von 24 Stunden pro Tag und 365 Tagen im Jahr von ca. 4 Monaten haben.
Uns wurde erklärt, dass es sich hierbei nicht um einen Filter im eigentlichen Sinne handelt, der die unerwünschten Stoffe aus der Luft entfernt, sondern lediglich für die Nase nicht mehr wahrnehmbar macht. Lediglich Schwefelwasserstoffe und Ammoniak ließe sich bis zu 80% entfernen.

"Alles andere wird sozusagen für die menschliche Nase versteckt."
Mitarbeiter der Firma Biothys

8. Gab es bereits ein unabhängiges Gutachten, welches die Styrolkonzentration in der Atemluft im Raum Übach-Palenberg über einen längeren Zeitraum festgestellt hat?

Es wurde eine Geruchsimmissionsprognose Nr. 07 0326 vom  29.05.2013 der Fa. Uppenkamp und Partner im Auftrag der Firma Polythex erstellt. Bei diesem Gutachten wurde durch eine olfaktorische Messung (Geruch wird gemessen) unter Verwendung von Literaturwerten für die Geruchsschwelle auf die Styrolkonzentration geschlossen. Wie bereits weiter oben zu lesen ist, kann die Geruchsschwelle von Tester zu Tester um einen Faktor bis 100 variieren. Das Gutachten wurde an das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz weitergeleitet, um es einer Plausibilitätsprüfung zu unterziehen.

Hier in Auszügen einige Ergebnisse:

[..]"Styrolmessungen wurden nicht durchgeführt

[..]Die Plausibilität der Ergebnisse der olfaktometrischen Emissionsmessungen gemäß DIN EN 13725, VID 3884 Blatt 1E und VDI 3880 kann vom LANUV mangels hinreichender Dokumentation z.B. der Probennahme nicht abschließend beurteilt. Den Protokollen der olfaktometrischen Messungen im Anhang ist zu entnehmen, dass die Auswertung der Nulllprobenfehlbewertung nicht normkonform durchgeführt wurde. Inwieweit sich dies auf ermittelten Zahlenwerte auswirkt, kann nicht beurteilt werden.[..]

Vom LANUV ebenfalls nicht beurteilt werden kann die Plausibilität der aus den olfaktometrischen Messungen und den zitierten Angaben zur Geruchsschwellenkonzentration von Styrol bestimmten Abluftkonzentrationen für Styrol, die der Immissionsprognose zugrunde liegen.[..]

[..]Zusammenfassend ist aus Sicht des LANUV NRW feststellbar, dass die Bestimmung der Immissionszusatzbelastung nur in Teilen nachvollziehbar und plausibel ist."
Plausibilitätsprüfung des Landesamtes f. Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW, AZ 31.1079.2013-062
Um es noch einmal deutlich zu machen: Die absolute Stoffkonzentration von Styrol im Abluftstrom oder gar an einem bestimmten Ort in Übach-Palenberg wurde NICHT gemessen, lediglich (fragwürdig) abgeschätzt. Dass dieses Gutachten nicht der Praxis entspricht ist ja durch die Tatsache feststellbar, dass die prognostizierte 0% Geruchsbelastung z.B. für das Gebiet "Im Kauert" definitiv nicht zutrifft.

9. Welche Behörde ist für eine Untersuchung des Problems zuständig?

Zuständig ist die Untere Umweltschutzbehörde des Kreises Heinsberg.

10. Wie häufig ist Geruchsbelästigung zumutbar?

"Grundsätzlich ist vor einer Immissionsbeurteilung zu prüfen, ob die nach dem Stand der Technik gegebenen Möglichkeiten zur Verminderung der Emissionen ausgeschöpft sind (vgl. Nr. 5 TA Luft) und die Ableitung der Restemissionen den Anforderungen der Nr. 5.5 TA Luft entspricht (vgl. BVerwG, Beschluss v. 10.5.90 (Gew Arch 1991/8, S. 312))."

Es ist wichtig zu verstehen, dass also erst einmal der Stand der Technik hergestellt werden muss, bevor es zu einer weiteren Beurteilung kommt. Wenn dieser also erreicht ist, werden Gerüche als "erhebliche Belästigung" gewertet, wenn die Gesamtbelastung in Wohn-/Mischgebieten 10%, in Industriegebieten 15% der Jahresstunden entspricht. Die zentrale Frage lautet also : Ist der Stand der Technik bei Polythex erreicht?

11. Wie kann die Einhaltung der Richtlinie überprüft werden?

"Die Erfassung der Geruchsimmissionssituation kann durch
eine Rasterbegehung vor Ort,
eine Immissionsprognose (Ausbreitungsrechnung) oder
einer Fragebogenerhebung nach Richtlinie VDI 3883, Blatt 2"

Die Erfassung der Belästigungsmeldung über diese Webseite orientiert sich an der Fragebogenerhebung.

12. Warum habe ich noch nie etwas gerochen?

Das Wetter bestimmt im Wesentlichen, wer von der Geruchsbelästigung betroffen ist. Dabei spielt die Windrichtung, der Luftdruck und die Höhe des Standortes eine Rolle.
Polythex befindet sich laut Google Maps auf 119m Höhe über dem Meeresspiegel. Bereits in einigen Wohngebieten ergeben sich Höhendifferenzen von mehr als 6 Metern (z.B. Im Kauert). Diese Höhendifferenzen können schon ausreichen, dass Nachbarn in 100m Entfernung, die tiefer liegen, keinen Geruch wahrnehmen, während Sie einer extremen Belästigung ausgesetzt sind. Besonders betroffen scheinen Gebiete, die sogar etwas höher als der Standort Polythex liegen. Es ist vorstellbar, dass eine wesentliche Erhöhung der Schornsteine ebenfalls Abhilfe schaffen würde.